Die Nachlese vom Twittwoch Köln #twcgn

Der Twittwoch Köln fand am 22.10. im Rahmen der Internetwoche im Startplatz statt. Zahlreiche Gäste trudelten ein, man kannte sich. Die die sich nicht kannten, kamen auf dem Balkon mit Blick auf den Mediapark garantiert ins Gespräch. Die Stimmung wirkte erwartungsvoll und anregend! Schon vor Beginn der Veranstaltung wurde fleißig getwittert, zum Bespiel die Info, dass sich der Hashtag zum Event von #twk zu #twcgn geändert habe.

Los gehts! Die Veranstalter stellen sich vor und leiten ins das Motto „Digitaler Wandel im Verlagswesen“ ein. Freudig wird darauf hingewiesen, dass der Twittwoch von Berlin zurück in die wahre Internethaupstadt Köln gekommen ist und hier als Verein weiterbestehen wird. Die Veranstaltung wird von der Plattform Nerdhub live ins Netz gestreamt und kann in aller Vollständigkeit auch angesehen werden.

Die erste Referentin ist Wibke Ladwig von der Kommunikationswerkstatt Sinn und Verstand. Sie präsentiert ihre handgekritzelten Slides, in denen es darum geht, wie der stationäre Buchhandel sich treu bleiben und die digitale Transformation trotzdem beim Wickel nehmen kann.  

Es folgt eine:

 

Als Zusatzgast brachte Wibke Ladwig die Buchhändlerin Dorothee Junck vom Buchladen Nippes mit, die sich höchst kämpferisch der digitalen Twittermeute entgegen stellte. Sie erläutert kurz, welche Social Media Maßnahmen ihr Laden, auf Anregung von Auszubildenden ergriffen habe. Die Frage ob sich daraus mehr Umsatz generiert hat, muss sie verneinen. Im Publikum wird an der Sinnhaftigkeit der Social Media Einbindung gezweifelt. Stimmen werden laut, die fordern, da mit mehr Konzept heran zu gehen.

Die Buchhändlerin betont, es ginge ihr mehr darum: 

Die Stimmung im Publikum wird noch emotionaler. Die meisten Zutwitterer sind sich einig: Warum kann digital nicht mit analog funktionieren? Warum kann in Buchhandlungen nicht auch getwittert und gebloggt werden?

Die Buchhändlerin dazu:

 

Wichtiger als die Präsenz in den sozialen Netzwerken sei ihr die Vernetzung im Veedel, daher biete sie den „Bücher-Büdchen-Service“ an: Auch nachdem der Buchladen geschlossen habe, kann man bei einigen Büdchen im Viertel seine bestellten Bücher abholen. 

Der nächste Vortragende ist Steffen Meier. Er referiert über die Disruption beziehungsweise den Niedergang der Verlagsbranche 564 n. G. (nach Gutenberg). Er fragt: Was bedeutet es für die Buchbranche im Auge des Orkans zu stehen? Wie können Verlage in der Zukunft aufgestellt sein?

„Der Buchmarkt ist bevölkert von seltsamen Leuten, die sich nicht Marktkonform verhalten, und das durchaus nicht immer aus freien Stücken, sondern wegen des Risikos seiner seltsamen Waren.“, zitiert er den Verleger Klaus Wagenbach. An diesen Worten, merkt Meier an, kann der vermeintliche Kulturauftrag von Verlagen abgelesen werden. Ein Auftrag der marktwirtschaftlich gesehen meistens nicht honoriert wird. Dieser Markt funktioniert im Rahmen einer Buchpreisbindung, das heißt die Ware kostet überall gleich viel. Die Buchpreisbindung aber schaffe eine abgeschottete Marktsituation, die auch ins Digitale dränge.

 

Das Problem der Digitalisierung im Verlagswesen und damit der Eroberung beziehungsweise Beherrschung einer neuen Marktsituation eint kleine und unabhängige Buchhandlungen und Verlage! Wie kann es bei dieser Marktstärke gelingen, am digitalen Wandel teilzuhaben? 

 

Die anschließende Diskussion greift kontrovers, die stark auseinandergehenden Meinungen der Twittwoch-Teilnehmer über die Zukunft der Verlage auf. Zum krönenden Abschluss präsentieren die Taubenhaucher der anwesenden Twittergemeinde ihre Version des Abends, künstlerisch verarbeitet in einem 15-minütigem Improstück, was für Begeisterung und einige Lacher der Teilnehmer sorgte.

Fazit von Veranstalter Carsten Rossi: Es gab noch nie soviele kontroverse Diskussionen wie bei dem heutigen Twittwoch. Den Twitterpoll für den besten Vortrag gewann übrigens Wikbe Ladwig. 

Der nächste Twittwoch beschäftigt sich mit dem Thema „Lokaler Handel“, ein Thema, dass sicher ebenfalls die Gemüter erhitzen wird. Das Datum steht noch nicht fest, wird aber über die Homepage und die sozialen Netzwerke beizeiten verkündet.