„Wir wollen sehen wie alte Menschen Internet machen“

Andreas Sperling von YouGovPsychonomics führt heiter in das Thema „Generation Y- Alles ganz anders oder doch wie immer?“ ein und definiert zunächst die Begrifflichkeiten für das Publikum. Schon bei den alten Griechen und allen Kulturen vor unserer, setzt bei einem gewissen Grad an Erfahrung und Vergreisung der Punkt ein, an dem man sich über die junge Generation auslässt. Meistens deswegen, weil man sie nicht versteht. Der Abend soll also zur Aufklärung beitragen!

Sperling kategorisiert das Publikum wie folgt und fordert auf sich bei passender Kategorie sich zu melden. Die fünf Teilnehmer der 1922-1945 Jahre, die Traditionalisten bekommen Szenenapplaus. Sperling fragt: „Wofür? Weil sie noch leben?“ Es folgen die Baby Boomer (1946- 1964), die Generation X (1965-1980)
und schließlich die „Millenials“, die Generation Y, die zwischen 1981-1998 geborenen.
Sperling fragt amüsiert in das Publikum: „Warum sind so viele junge Menschen aus der Generation Y hier?“ Prompte Antwort aus dem Publikum: „Wir wollen sehen wie alte Menschen Internet machen“. Den Lacher hatte der junge Mann auf seiner Seite!

Wer ist jetzt also diese freche Generation?
Y kommt von „Why“ und wie das Wort schon suggeriert wird viel, gerne und selbstbewusst hinterfragt. Und zwar alles!
Sie lernen schnell, haben die Krisen der 1990er und 2000er Jahre miterlebt, sind wohlbehütet aufgewachsen und haben die neue Technik von Anfang an mitbekommen. Sie sind flexibel, leistungsorientiert und doch entsteht der Eindruck sie seien faul? Wirklich? Vielleicht ist das Effizienz. Dazu passt, dass sie lieber in Bildung investieren als in ein Eigenheim. Frei nach den Prinzipien der Share economy: Zugang ist wichtiger als Besitz. Sperling schließt mit der Frage, die er nach dem Panel zur Diskussion stellt: Über was ärgert sich die jetzige Generation Y wenn sie alt ist?

Die Teilnehmer der Gesprächsrunde, Dr. Oliver Stettes (Leiter Personalökonomik Institut der Deutschen Wirtschaft Köln (IW)), Robin Sudermann (CEO, Talentsconnect), Stefan Leinesser (Leiter Personal & Recruiting, REWE digital) und Lisa Contzen, (Director HR, YouGov) nehmen auf dem Podium Platz.
Moderiert wird die Runde von Holger Geißler, Vorstand von YouGov, der die Teilnehmer charmant mit ihren Hobbys oder privaten Informationen vorstellt. Dr. Oliver Stettes ist Schalke-Fan und bekommt natürlich eine als Fußballmetapher verpackte Frage, die in ihrer Essenz lautet: Wie sieht der Eintritt in den Arbeitsmarkt bei der Generation Y aus?
Er bzw. das IW hat festgestellt, dass mehr Eintritte auf dem Arbeitsmarkt durch die „Millenials“ zu verzeichnen seien als noch vor ein paar Jahren. Das habe aber immer auch mit der jeweiligen Arbeitsmarktlage zu tun. „Würden wir eine ähnliche Diskussion auch in Frankreich oder Spanien führen?“

Stefan Leinesser wird mit Depeche Mode Zitaten eingeführt. Er nennt sein 2011 gestartetes Projekt zärtlich ein „Start-up für Erwachsene“. Auf die Frage warum Rewe sich dem digitalen Markt widmet und so auch seine Mitarbeiterführung verändert habe, antwortet er: „Weil die Arbeitswelt sich verändert hat“.
Bei REWE digital gibt es keine festen Arbeitszeiten, Wissen wird geteilt, das funktioniert beispielsweise über den Open Space eines Großraumbüros. „Wir haben eben nicht dieses nine to five Denken“. Seine Mitarbeiter sagen: „Wir wollen Arbeitszeit zu Lebenszeit machen“. Stettes wirft ein, dass Arbeitsschutzgesetze müssen auch bei mobilem Arbeiten gewahrt bleiben müssen.

Wie sehen Tendenzen bei jungen Bewerbern aus? Lisa Contzen dazu:
„Sie stellen andere Fragen als die Generationen davor, zum Beispiel zur Arbeitszeit. Die eigene Entwicklung im Unternehmen wird schon im Bewerbungsgespräch hinterfragt.“
Fazit: Wenn der Sinn bleibt, bleibt auch der Mitarbeiter. Generation Y will die Selbstwirksamkeit spüren und in Veränderungsprozesse mit einbezogen werden, sagt Lisa Contzen. Dazu passt auch der Beitrag von Robin Sudermann, dessen Unternehmen Talentsconnect unter Marktwert zahlt und trotzdem kein Problem hat engagierte Mitarbeiter zu finden. „Sie wollen trotzdem bei uns arbeiten, obwohl sie wissen, dass sie woanders mehr verdienen könnten. Es geht um die Idee und darum etwas gemeinsam zu gestalten.“
„Mitarbeiter sind eben heute keine Befehlsempfänger mehr“, meint Stefan Leinesser, „sie sehen sich als Teil der Idee.“

Um halb neun startet die offene Fragerunde.
Im Publikum fragt ein Mitte Zwanzigjähriger: Wie agiert die Generation Y eigentlich in Führungsverantwortung? Robin Sudermann hält das für eine Charakterfrage, nicht für eine Generationenfrage und erntet Zustimmung.
Dann die Frage aus dem Publikum: „Warum reden wir seit einer halben Stunde nicht über das Internet?“ Antwort vom Podium: Weil es selbstverständlich geworden ist. Und das ist wohl auch das Fazit der Veranstaltung. Die Selbstverständlichkeit mit der die junge Generation das Internet nutzt, mit der gleichen Selbstverständlichkeit drängt sie auf den Markt und verhält sich eben auch so. Selbstbewusst nämlich! Und das ist gut so!
Was hat sie geschafft, die neue Generation? Zum Beispiel, dass sich heute auch Unternehmen bei potentiellen Mitarbeitern bewerben müssen. Leinesser schlussfolgert: „Autonomie und etwas Sinnvolles tun zu wollen ist das neue Statussymbol der Generation Y. Es ist keine klassische Karriereplanung mehr möglich.“

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