5 Fragen an… Prof. Dr. Marlis Prinzing, Macromedia Hochschule

Wer sind Sie? Stellen Sie sich kurz vor.
Ich bin Professorin an der Hochschule Macromedia in Köln. Zu meinen Schwerpunkten gehören Medienethik, internationale Journalismuskulturen und Innovation. Mir ist wichtig, die Lehrinhalte an der Hochschule so auszurichten, dass die Studierenden ihren ethischen Kompass ausrichten. Ich sehe mich zudem in der gesellschaftlichen Verantwortung, mich zu Fragen rund um Medienstrukturen und Medienwandel auch außerhalb der Hochschule einzumischen – als Vortragende, Gesprächspartnerin und Forscherin.

Was machen Sie bei der Internetwoche?
Vernetzen und Teilnehmende ins Gespräch bringen über Herausforderungen von Digitalisierung und so genannter Industrie 4.0, und zwar aus drei Perspektiven: Erstens aus medienethischer Perspektive, um unseren Kompass zu norden, der uns ermöglicht, mit neuen Kommunikationsstrukturen und -techniken so umzugehen, dass sie uns nutzen. Zweitens aus handwerklicher  Perspektive – dabei geht es darum, die klassische Vermittlungsform „Erzählen“  durch innovative Tools  zu verändern. Drittens aus bürgerschaftlicher Perspektive – in einem Aktionsfeld, in dem Journalisten als Beobachter sowie wir alle als Bürger gefordert sind: ausgewählte Hilfsangebote für Flüchtlinge werden in einem Workshop vorgestellt, um einen Erfahrungsaustausch zu fördern darüber, wo und was zu tun ist.

Was erwartet die Besucher auf Ihren Events?
Impuls und Debatte: Wo ist Bewegung, was bewegt sich? Wo lauern Risiken? Wo bieten sich Chancen? Was sind Algorithmen, Bots, Streams und Roboterjournalisten, wie funktionieren sie, wer ist verantwortlich für deren Arbeit? Wie lerne ich zu differenzieren, woran kann ich mich orientieren? Virtual Reality-Technik (VR) zum Beispiel funktioniert ein bisschen wie das Beamen bei „Star Trek“. Der Körper bleibt da, bloß die Wahrnehmung reist flugs in andere Welten – ins Flüchtlingscamp in Jordanien oder in brasilianische Armenviertel oder im Voraus auf eine noch nicht gebaute Autobahn. Man weiß, dass diese Technik unterschiedlich wirkt, VR-Technik lässt sich einsetzen in der Ausbildung von Soldaten, um ihre Hemmung, andere zu töten, zu senken, und umgekehrt auch in Trainings, in denen Menschen lernen, Gewalttätigkeit zu vermeiden. Einfach Medienkompetenz zu fordern genügt nicht. Es bedarf konkreter Handlungsempfehlungen, um sich zu orientieren. Gegenwärtig bewegt sich technisch und ökonomisch sehr viel, hingegen aus ethischer Sicht sehr wenig. Doch nur wer zeitig über Risiken reflektiert, erhöht die Chance, Technik sozialverantwortlich zu konstruieren und einzusetzen. Sich systematisch einer Technikfolgenabschätzung zu stellen, zeugt nicht von Angst vor der Zukunft, sondern ist ein Weg, diese aktiv zu gestalten. 

Warum sind Sie dabei?
Die Internetwoche schätze ich als Think Tank, Treffpunkt sowie Impulsgeber, durch den insbesondere Medienunternehmen bestärkt werden, eine systematische und strategische Innovationskultur zu entwickeln. Ich wünsche mir, dass diese Stimmung über diese Woche hinaus wirkt, wünsche mir mehr dauerhafte Zukunftswerkstätten, wo anwendungsorientiert arbeitende Kommunikationsforscher, Ausbilder und Praktiker Konzepte entwickeln und testen. Ich bringe mich gerne dort ein, wo es  den Wandel und das Neue mitzugestalten gilt.

Was bedeutet das diesjährige Motto „Think global! Act local?“ für Sie?
Globalisierung und Regionalisierung bilden seit langem in unseren Studiengängen ein Spannungsfeld. In der Journalistik gilt dies sogar im doppelten Sinn: Erstens als Thema, das journalistisch aufbereitet und vermittelt werden und in unserer Gesellschaft medial zur Diskussion gestellt werden muss. Zweitens als Fach, das selbst vom Wandel betroffen ist: Die digitale Transformation verändert auch in diesem Berufsfeld viele Arbeitsabläufe grundlegend; letztlich ist jeder gefordert, interkulturell kompetent und aktiv an der digitalen Transformation sowohl des wissenschaftlichen als auch des praktischen Tätigkeitsfelds „Journalismus“ mitzuwirken. Dies von einer bedeutsamen Medienstadt wie Köln aus leisten zu können, wirkt befruchtend – man fühlt sich ein wenig in einer Art Digital Media Valley am Rhein. Verwurzelt in lokalem Nährboden, gedeihen Kooperationen und transdisziplinäre Projekte – an der Hochschule, in der Stadt, im nationalen und internationalen Umfeld – oft besonders gut.