5 Fragen an…Philipp Otto, Gründer & Geschäftsführer iRights.Lab

Wer seid Ihr? Stellt Euch kurz vor.
Ich bin Internetunternehmer, politischer Berater und Strategieentwickler. Mir geht es darum, dass sowohl Politik als auch Wirtschaft die Digitalisierung in all ihren Facetten und unter Abwägung aller Schwierigkeiten wie auch der wunderbaren Chancen im Sinne einer „Digital Balance Policy“ wahrnehmen können. Dabei  geht es darum, hoch intelligente Lösungen in hoch komplexen, digital durchsetzten Ökosystemen zu finden und die strategischen Entscheidungen danach auszurichten. Privatwirtschaftliche Interessen müssen mit öffentlichen Interessen in Einklang gebracht werden. Dies einerseits in der Theorie im Abgleich mit bestehenden wissenschaftlichen Erkenntnissen und faktischen Pfadabhängigkeiten eingespielter Systeme – noch viel mehr aber andererseits in der Praxis. Eine digitale Agenda für einen Staat oder ein Unternehmen ist nicht genug. Ein solches Konzept muss auch mit Leben erfüllt werden. Dafür entwickele ich für private ebenso wie für öffentliche Einrichtungen strategische Modelle. Mein Ziel ist es, unser Denken und die Rahmenbedingungen unseres Handelns positiv und nach vorn gerichtet zu verschieben.

Was machst Du bei der Internetwoche?
Eines meiner Projekte ist der Verlag iRights.Media. Hier experimentieren wir sowohl mit den Inhalten, den eingesetzten freien Lizenzen als auch hinsichtlich der Vertriebs- und Vermarktungswege. Das, was wir beim iRights.Lab theoretisch erforschen und bearbeiten, können wir hierdurch in der Praxis ausprobieren. Diese Zweifaltigkeit erlaubt uns Dinge zu tun, die klassische Verlage nicht tun wollen. Wir haben beispielsweise keine Angst davor, dass uns jemand unsere digital verfügbaren Inhalte wegnimmt. Im Gegenteil, wir spielen durch die digitale Verfügbarkeit neue Vermarktungswege und strategische Konzepte aus und profitieren von den Skalierungseffekten im Netz. Wir bewegen uns als Teilnehmer und als aufmerksame Zuhörer bei der Internetwoche. Zudem stellen wir eine hohe Anzahl an digitalen und Printpublikationen zur Verfügung.

Was erwartet die Nutzer bei Euren Publikationen?
Nichts als pure Erkenntnis und Lesefreude – im Ernst! Wir sind beispielsweise mit einer unserer wichtigsten Publikationen, dem Jahresrückblick Netzpolitik DAS NETZ, in Köln vertreten. Dieses knapp 300 Seiten starke Werk erscheint immer Ende des Jahres und soll den Leserinnen und Lesern ermöglichen, einen ruhigen Blick auf die turbulenten digitalen Entwicklungen zu werfen. Hierbei ist es uns wichtig, dass nicht die Tickermeldung, sondern die Analyse, der ungewohnte Blick oder auch der nachdenkliche Gedanke im Vordergrund stehen. Von allem anderem gibt es genug, hiervon noch nicht. Aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchten Wissenschaftler, Politiker, Entrepreneure, Vordenker und ganz normale Leute den Einfluss der Digitalisierung auf unser Leben. Da ist für jeden etwas dabei, vor allem auch etwas Neues. Wir haben uns hier alle schon ein bisschen in diese Publikation verliebt. Die Texte aller bisherigen Ausgaben des Jahresrückblicks sind kostenfrei nachzulesen auf www.dasnetz.online. Mit unseren anderen Publikationen präsentiert sich der Verlag unter www.irights-media.de. Ansonsten bin ich erreichbar via otto@irights-lab.de oder bei Twitter unter @philippotto.

Warum seid Ihr dabei?
Weil man sich gar nicht genug zu digitalen Fragestellungen austauschen kann. Manch tolle Initiative oder Idee schrumpft zu einem kleinen Etwas, wenn die Person dahinter ein unangenehmer Mensch ist. Manche scheinbar eher unbedeutende Entwicklung wird andererseits plötzlich spannend, weil tolle Leute dahinter stehen, weil sich plötzlich neue Räume auftun, die man aus der Entfernung nicht erahnen konnte. Um diesen Realitätscheck vornehmen zu können, braucht man Orte, an denen man sich trifft. Die Internetwoche Köln schafft neben einem großartigen Event vor allem auch die Vernetzung zwischen Verwaltung, Unternehmen und Wissenschaft. Das ist vorbildlich.

Was bedeutet das diesjährige Motto „Think global! Act local?“ für Dich?
Zunächst eine geistige Anleihe an die Anti-Globalisierungsbewegung des letzten Jahrzehnts. Diese Bewegung hatte dieses Motto zu dem ihren gemacht, um auf wahrgenommene Ungerechtigkeiten im Welthandel hinzuweisen. Dass das Motto seiner Bedeutung nach aber viel mehr ist, zeigt sich beim Einsatz bei der Internetwoche. Es hat schon fast biblische Ausmaße, da die Handlung im Kleinen immer von einem moralisch-gesellschaftlichen Wertegerüst im Großen flankiert sein muss bzw. sein sollte. Das eine nicht ohne das andere. Legt man das nicht zugrunde, verbleibt man in intellektuellen oder faktischen Silos und verliert sich entweder in Tagträumereien oder im Nicht-Ausschöpfen seiner Möglichkeiten bzw. der übergeordneten kritischen Reflexion. Ein gutes Motto. Gleichzeitig für Interpretationen offen wie aber auch bedeutungsschwer. Es harrt darauf, dass wir es nehmen und es ausfüllen!